Hanns-Seidel-Stiftung e.V., München
Akademie für Politik und Zeitgeschehen
6.3 AUDITEL
Seit einigen Jahren versuchen der Nutzerrat, der Konsumentenverband und Einzelkämpfer
nachzuweisen, dass die Daten von Auditel, Grundlage für Werbetarife und "Beliebtheit" von
Sendungen, willkürlich sind. Auditel17 erhebt seit 1986 die Einschaltquoten für RAI, Mediaset
und den Werbekundenverband UPA. Die im Juli 2002 veröffentlichte Studie von Roberta
Gisotti (18) brachte Auditel in Misskredit. Einige der ca. 5.400, streng geheim gehaltenen Familien des Auditel-Panels haben in Interviews zugegeben, die Knöpfe auf der an den Fernseher
angeschlossenen Apparatur aus Jux oder Langweile falsch gedrückt zu haben. Die statistische Fehlerquote sei höher als zulässig, erklärte der Leiter des Statistischen Amts ISTAT. Der Grundfehler sei die Auswahl der Familien, die nicht repräsentativ seien. Aus einer Anzahl von
50.000 Familien würden 5.000 ausgesucht, die sowieso starke Fernsehkonsumenten seien.
Auch die Messung der Programme lasse zu wünschen übrig: Zu gewissen Tageszeiten überlagerten sich die Frequenzen, was besonders die kleinen Programme benachteilige. Der Nutzerrat fordert den Rückzug der RAI aus der Auditelgesellschaft und die Nicht-Veröffentlichung
der Einschaltquoten von Kindersendungen. Zu den Aufgaben der Autorità gehört auch die Aufsicht über die Einschaltquoten. Sie sprach sich Ende Oktober 2002 für neue Erhebungsmethoden aus.
(17) Auditel-Aktionäre sind RAI (33%), der Privatfunk (33%), der Werbekundenverband UPA, der Verband der Werbeagenturen (33%), der Verlegerverband FIEG (1%).
(18) Gisotti, Roberta: La favola dell'Auditel, Roma 2002.
Rauen, Birgid
Fachjournalistin Medien, Florenz